Beatrix Berin Sieh

Geb. 1961 in Istanbul, lebt und arbeitet in Norderstedt und Istanbul

Mein Leben in zwei Kulturkreisen führt in meinen Arbeiten zu einer Vermischung von Fragmenten der islamischen und europäischen Kultur: Das Fremde und das Eigene, mit der Vision, beides in mir zu verbinden.Dazu suche ich vor allem die Schnittstellen zwischen diesen beiden Kulturen, das Verbindende, nicht das Gegensätzliche. Es ist für mich wie ein Gespräch mit der vertrauten und doch fremden Kultur, in dem Reibungen entstehen, die meine künstlerische Arbeit in verschiedenen Medien nährt. Fragmente aus der islamischen Kultur stehen in neuem Kontext zu unserer Wahrnehmung, führen einen Dialog und ergänzen sich zu neuen Bildsprachen. In der Serie ‘Cinci’ begegnen sich Okzident und Orient: Westliche Farbfeld-Malerei verbunden mit ornamentähnlichen Schattenflächen, die flüchtig und diffus erscheinen wie Muster und Nachbildung der Naturformen. Die sinnliche Wahrnehmung der Welt steht der Reduktion auf Farbe, die kaum einer Ablenkung Raum geben, gegenüber. Meine Arbeit ‘Türkisch - Deutsche Wortverwirrungen’ macht Schnittstellen im Alltag am Beispiel unserer Sprache deutlich. Sie zeigt an einer Vielzahl von Worten eine überraschende visuelle Duplizität, jedoch mit ganz anderem Inhalt/Bedeutung. Zum Beispiel das türkische Wort: armut. Dies bedeutet übersetzt ins Deutsche: Birne.

Die Arbeiten von Beatrix Berin Sieh reflektieren Wahrnehmungsebenen von Zeichen, Symbolen und Sprache. Als Kind deutscher Eltern in Istanbul aufgewachsen hat sie kulturelle Dialektik verinnerlicht wie das Einmaleins der Existenzmathematik. In der von Bildsprache überfrachteten Gegenwart untersucht sie Strukturen und kulturelle Festschreibungen, die kollektives Bewusstsein dominieren. Die Zeichen und bildlichen Muster des Orients werden dem antirationalen, emotionalen zugeordnet, im Gegensatz zum rationalen Erkenntnisinteresse der westlichen Zeichensprache. Hier besteht eine Parallele zu der Auffassung des Weiblichen (Pflege des Emotionalen) versus des Männlichen Prinzips (Pflege des Rationalen) seit der Aufklärung in unserer westlichen Kultur.

 Studierte an der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Hamburg Malerei und Kommunikationsdesign 1984 – 1989; im Anschluss Arbeit als Graphikdesignerin. Seit 1994 freischaffende Künstlerin. Ausstellungen (Auswahl): Landdrostei Pinneberg, Einzelausstellung 1995;  Vernetzung, Galerie im Forum, Norderstedt 1996; Regionalschau, Galerie Kraftwerk/Hamburg 1998; Neue Arbeiten, Landdrostei Pinneberg 1999; Torhaus Wellingsbüttel Hamburg, Einzelausstellung 1999; Landesschau BBK, Kunsthalle Kiel 2000;  Landesschau BBK, Museumsberg Flensburg  2001;  konkret-lyrisch, Staatliche Kunstgalerie Danzig 2002 ; Farbe, Licht Schatten - Remise/Bad Segeberg 2002; Galerie im Forum, Norderstedt 2002; Landesschau BBK, Landesmuseum Schloß Gottorf 2003; Fortuna, Innenministerium Kiel 2004;  Schau der Tausend Bilder, Ostseehalle Kiel 2004; Fortuna, Marstall, Ahrensburg 2005;  Reisen, Galerie im Forum Norderstedt 2006;  Barock und Moderne, Landdrostei Pinneberg 2006, Zwischentöne, Rathaus-Galerie Norderstedt, Einzelausstellung, 2009.

 
 

Türkisch-Deutsche Wortverwirrungen, Inkjet Prints auf Karton, 2011, 130 x 190 cm


Cinci, Öl, Tinte auf Leinwand, 2009, 90 x 90 cm